Alle, die ein Alkoholproblem haben, wissen, wie sich das anfühlt und was dieser Satz bedeutet. Die schöne Wunschvorstellung des “einen Drinks”. Hat es überhaupt je funktioniert, dieser magische “eine” Drink nachdem dann fancy Schluss war? Ja, höchstens Schluss mit der Illusion, dass es bei dem einen bleibt.
Einer ist immer zu viel.
Denn danach kommt immer der nächste, direkt serviert mit absolutem Kontrollverlust über das eigene Leben. Mit der Entscheidung nur für den Einen öffnet man die Pforte für den unendlichen, unaufhörlichen, unstillbaren Durst und das zwanghafte Verlangen nach mehr und mehr und mehr… und dann sind plötzlich tausend Drinks zu wenig.
Denn es gibt keine Grenze.
Die Grenze wurde nämlich mit dem ersten Schluck überschritten.
Wenn man sich für den einen entscheidet, entscheidet man sich damit automatisch für tausend.
Vielleicht ist es auch ein wichtiges und schonungsloses Alarmsignal, wenn das sogenannte Fading Affect Bias-Phänomen (FAB) eintritt: bei FAB verblassen die negativen Erinnerungen schneller als positive.
Das ist eine recht gefährliche Kiste, man öffnet damit die Pandorabox der Rauscheskapade. Und die schließt sich bekanntlich nicht so schnell und erst recht nicht so leicht. Mit dieser heimtückischen Beschönigung der Vergangenheit werden negative Erlebnisse wie Kater, Streit, Blackouts, Verletzungen oder Schäden vergessen, während schöne Momente in Erinnerung bleiben, was oft zu Rückfällen führt.
Nach einer gewissen Zeit der Abstinenz denkt man sich dann plötzlich: “Mensch, das war doch alles überhaupt gar nicht so schlimm… Warum trinke ich nicht einfach NUR EINEN”.
Weil es nie der eine ist, sondern immer mehr und immer mehr.
Weil es nie schöner war, sondern immer schön scheiße.
Weil es nie besser sein wird, sondern immer nur noch schlimmer.
Weil es nie wieder tausende sein sollen, die mit dem EINEN anfangen der niemals der letzte ist.